Die eigene Homepage: Tipps für den großen Auftritt

Der Fernseher galt früher als Fenster zur Welt – das Internet zeigt uns ein ganzes Universum. Vor 20 Jahren erkundete vor allem die junge Generation ehrfürchtig das World Wide Web, heute surfen Milliarden Menschen weltweit in Breitbandgeschwindigkeit durchs Netz. Online wie offline zählt: sehen und gesehen werden. Die eigene Homepage ist das persönliche Aushängeschild, Must-Have für alle, die im digitalen Rauschen ihre Spuren hinterlassen wollen:

Tatsächlich betreiben 2017 in Deutschland 86% aller Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern ihre eigene Webseite, so rechnet es der Branchenverband Bitkom vor. Dabei sein ist alles – könnte man bei manch einer Seite meinen, denn nicht immer gelingt der Auftritt im Internet auch.

Welche Inhalte sind wichtig?
Was darf auf keinen Fall fehlen?
Und welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Sinn und Zweck

Die kleine feine Hobby-Seite oder das digitale Vereinsheim darf sich den ein oder anderen Schnitzer erlauben: Fans und Gleichgesinnte werden über vieles hinwegsehen. Anders der potentielle Kunde auf der Internetseite eines Unternehmens. Hier haben Fehler, unvollständige oder gar falsche Informationen womöglich fatale Folgen: Anfragen werden nicht gestellt, Aufträge nicht erteilt – und der User sucht das Weite. Andererseits verfehlt auch die perfekte Fassade mitunter Ziel: Denn Makellosigkeit wirkt unnahbar, die schicke Website vielleicht abschreckend auf einen neugierigen Besucher. Fühlt der sich dagegen eingeladen, angeregt zu stöbern, Ihr Sortiment zu erkunden, Informationen zu sammeln – dann nimmt die Geschichte einen anderen Ausgang: Der Kunde findet Antworten auf seine Fragen, Lösungen für sein Problem oder einen kompetenten Ansprechpartner für sein Anliegen und wird Sie gerne weiter empfehlen.

Schnellcheck

Machen wir den Test – auf Ihrer eigenen Seite: Stellen Sie sich vor, Sie sind Ihr nächster Kunde, auf der Suche nach einer bestimmten Information. Zeit ist Geld und Geld ist knapp, schnell soll es gehen und natürlich reibungslos. Finden Sie gleich, was Sie brauchen?

Vielleicht fehlt Ihnen der Abstand – dann bitten Sie eine Person, die Ihren Internetauftritt noch nicht kennt, folgende Aufgabe für Sie zu übernehmen:

Rufen Sie die Startseite auf und finden Sie das Impressum mit nur einem Klick.
Finden Sie die Geschäftszeiten.
Nehmen Sie Kontakt auf
a) per Email
b) per Formular
c) per Telefon.
Öffnen Sie die Seite auf dem Smartphone und wiederholen Sie die Punkte.

Dieser Schnell-Check hilft Ihnen, die wichtigsten Funktionen Ihrer Seite zu optimieren. Identifizieren Sie Schwachstellen und sorgen Sie für Abhilfe – am besten sofort!
Der Test war ein voller Erfolg? Dann lassen Sie uns ein wenig tiefer einsteigen in die Do‘s und Don‘ts der Internetpräsenz:

Die Nadel im Heuhaufen

Manche Website lässt den Besucher zunächst einmal raten:

Worum geht es hier?
Kann ich etwas kaufen?
Bekomme ich Informationen?
Bin ich hier richtig?

Ein Beispiel: Sie benötigen Produktfotos für Ihren Online-Shop und suchen einen Fotografen, der Ihnen weiter helfen kann. Die Internetsuche spült sie auf die Seiten eines „Lichtbildkünstlers“ – ein Portfolio mit den angebotenen Leistungen suchen Sie vergeblich.

Was passiert? Sie klicken weiter zum nächsten Suchergebnis. Das präsentiert Ihnen Hochzeitsbilder und Tierportraits. Treffer? Fehlanzeige. Sie suchen so lange, bis sie den Fotografen finden, der ein ausführliches Portfolio auf seiner Website präsentiert, inklusive Produktfotos und einer Beschreibung seiner Leistungen. Hier werden Sie bleiben: Treffer, versenkt.

Thema und Angebot Ihrer Internetseite sollten also klar erkennbar sein, Schlagworte und Text sich an der Zielgruppe orientieren. Wenn der Kunde sofort erkennt, was hier geboten ist, findet er sich zurecht. Gilt Ihr Angebot für Endverbraucher (B2C) oder Geschäftskunden (B2B)? Vermitteln, beraten, produzieren Sie? Was sind Ihre Kernkompetenzen? Wem können Sie weiter helfen? Hier gilt es, Klarheit zu schaffen: Eine übersichtliche Seitenstruktur mit bestimmten Schlagwörtern ist auch für Suchmaschinen leichter einzuordnen – und verbessert so die Suchergebnisse.

Übernehmen Sie die Führung!

Nehmen Sie Ihre Kunden und User buchstäblich an die Hand – mit einer schlanken Navigation, die wesentliches sichtbar macht und Orientierung ermöglicht. Wegweiser und Hinweisschilder verschaffen Überblick: Die sogenannten CTA-Elemente (Call-to-Action) vermitteln Struktur – vorausgesetzt Sie platzieren sie unaufdringlich und an der richtigen Stelle. Die ständig aufploppende Erinnerung, endlich Ihren Newsletter zu abonnieren, wird sich kaum positiv auswirken. Finden Sie deshalb unbedingt die Balance zwischen zu viel und zu wenig.

Die Homepage ist meist Ihre erste (und oft einzige) Gelegenheit, mit Ihren Besuchern Kontakt auf zu nehmen. Nutzen Sie sie! Geben Sie Kontaktmöglichkeiten an, wo es sinnvoll erscheint. Verlinken Sie die Aufforderung zum Kontakt direkt mit Ihrem Kontaktformular, aber bieten Sie dem User auch eine Emailadresse zur Kontaktaufnahme an: Nicht jeder füllt gern Formulare aus…

Mobil gemacht

Vor 10 Jahren, im Januar 2007, präsentierte Apple das erste iPhone – ein Trend war geboren. Heute nutzen laut Branchenverband Bitkom fast 80% aller Deutschen über 14 Jahren ein Smartphone – die stärkste Wachstumsrate verzeichnet dabei die Gruppe der über 65-Jährigen: 40% der Senioren surfen mobil. Ein Trend, den Sie auch in der Webstatistik Ihrer Seite wiederfinden werden. Grund genug, dieser Usergruppe Ihre Aufmerksamkeit zu schenken: Was erwarten mobile Nutzer? Ihre Website sollte in puncto Auflösung, Bandbreite und Datenvolumen die besonderen Voraussetzungen mobiler Endgeräte unbedingt berücksichtigen (Stichwort Responsiveness): Kunstvolle Slideshows zum Beispiel sind auf dem Smartphone buchstäblich Spaßbremsen: Sie drücken die Schnelligkeit auf Schleichtempo und machen in der mobilen Anwendung keinen Sinn.

Anruf per Klick

Ist Ihre Telefonnummer klickbar? Gerade in der mobilen Anwendung können Sie sich diese Technik zunutze machen, und der User spart sich das lästige Kopieren von Nummern. Testen Sie, um sicher zu gehen, in verschiedenen mobilen Browsern. Der HTML-Code dazu sieht so aus:

 +49 (0)441 20 57 2 440 

Technisch weniger Versierte finden eine ausführlichere Anleitung zum Beispiel hier:
https://www.netz-gaenger.de/blog/wordpress-tutorials/fuer-smartphones-klickbare-telefonnummern-auf-webseiten-einbauen/

Datenschutz geht vor

Ob Browser oder mobil – eine Datenschutzerklärung ist unbedingt Pflicht. Und natürlich sollten Sie halten, was Sie darin versprechen: Denken Sie bei Google Analytics an die Vereinbarung zur Auftragsdatenspeicherung und an den Zusatz im Tracking Code (Stichwort: Codeerweiterung durch anonymizelp).
Nutzen Sie Google AdSense, DoubleClick for Publishers oder DoubleClick Ad Exchange? Dann benötigen Sie einen Hinweis auf Cookies. Achten Sie in diesem Fall darauf, dass der keine wichtigen Links verdeckt: Impressum und Datenschutzerklärung müssen auf Ihrer Seite jederzeit abrufbar sein.

Sicherheit wird groß geschrieben: TLS und SSL

Wie soziale Interaktionen im echten Leben wird auch die Kommunikation im Internet von Protokollen geregelt, die für Stabilität und Sicherheit sorgen sollen. Das gängige Verschlüsselungsprotokoll ist heute TLS, der Nachfolger von SSL. Um letzte Klarheiten zu beseitigen: Beide Begriffe werden meist synonym verwendet, so dass oft TSL gemeint ist, wenn von SSL die Rede ist…und so hält es auch dieser Artikel).
Für die Übertragung von Daten war früher das Protokoll HTTP der Standard. Heute sollte man stattdessen HTTPS nutzen, ein ergänzender Standard für SSL-verschlüsselte Datenübertragung. Die Verwendung dieses Standards stellt der Internetadresse im Browser dann das „https://“ voran, statt des bisherigen „http://“. Auch für Ihre Seite sollte das unbedingt gelten: Wer auf seiner Internetpräsenz ein Kontaktformular bereithält, ist dazu seit Januar 2016 ohnehin gesetzlich verpflichtet.

Bei Aufruf Cookie

Nutzen Sie auf Ihrer Website youtube-Videos, gilt es ebenfalls einiges zu beachten: Über die youtube-Funktion „Einbetten“ lassen sich Inhalte per iFrame über Copy&Paste in die eigene Seite integrieren. Ganz einfach? Zu einfach, wie das Heise-Magazin für Computer und Technik „c‘t“ schon Ende 2015 bemängelte: Wer sich für diesen Weg entscheidet, landet in einer rechtlichen Grauzone. youtube hat das Problem wohl auch erkannt, und bietet – wenn auch versteckt – einen „erweiterten Datenschutzmodus“ an. Was der kann, beschreibt das Unternehmen so: Ist der Modus aktiviert, „werden von YouTube keine Informationen über die Besucher auf deiner Website gespeichert, es sei denn, sie sehen sich das Video an.“ Rechtlich einwandfrei ist auch diese Option nicht. Wer auf die Einbindung von youtube-Videos auf der eigenen Internetseite aber nicht verzichten möchte, sollte unbedingt diese erweiterten Funktionen nutzen, um seine Besucher vor einer Cookie-Lawine zu schützen…

Auf einen Blick:

Unterziehen Sie Ihre Homepage einem kritischen Test!

  • Ist die Seite leicht zugänglich, auch für mobile Endgeräte?
  • Sind Impressum, Datenschutzerklärung, Geschäftszeiten, Kontaktmöglichkeiten auf einen Blick ersichtlich?
  • Findet ein Besucher schnell, was er sucht? Denken Sie an eine klare Navigation und hilfreiche Schlagworte.
  • Erleichtern Sie die Kontaktaufnahme durch call-to-action-Elemente und klickbare Telefonnummern.
  • Denken Sie an mobile Nutzer: Ist Ihre Seite auch für diese User attraktiv?

Machen Sie ernst mit dem Datenschutz!

  • Die Verwendung von Kontaktformularen oder Google Tools erfordert manchen Hinweis.
  • SSL und HTTPS sollten die Standard-Protokolle sein auf Ihrer Seite.
  • Aktivieren Sie den erweiterten Datenschutzmodus beim Einbetten von youtube-Videos – oder verzichten Sie ganz darauf.

Nicht vergessen!

  • Ein Impressum mit vollständigen und aktuellen Angaben ist auf jeder Website Pflicht.
  • Impressum und Datenschutzerklärung müssen jederzeit abrufbar sein.
  • Überprüfen Sie, ob ein Hinweis auf Cookies für Sie verpflichtend ist. Platzieren Sie ihn so, dass er keine relevanten Inhalte überdeckt.
  • Shop-Betreiber benötigen seit der ODR-Verordnung 524/2013 zwingend eine klickbare und funktionstüchtige Verlinkung auf die Plattform der EU-Kommission für Online-Streitbeilegung: www.ec.europa.eu/consumers/odr